Charakteristik - Geschichte

Japan1

Judo ist heute in erster Linie eine japanische Kampfsportart. Begründet wurde Judo von Jigoro Kano2 (1860-1938). Die Tradition der Kampfkünste in Japan reicht allerdings viel weiter zurück und wurde vor allem von der politisch mächtigen Klasse der Krieger (Bushi oder Samurai) gepflegt und ständig weiterentwickelt. Mit der Einführung von Schusswaffen verloren die waffenlosen Nahkampftechniken zwar zunehmend an militärischer Bedeutung, wurden aber auch in den folgenden Jahrhunderten fortgeführt. Seit dem 17. Jahrhundert verbreitete sich, an verschiedenen sogenannten Schulen gelehrt, Jiu-Jitsu. Dessen Grundprinzip „Siegen durch Nachgeben“ findet sich auch im heutigen Judo wieder. Kano, selbst Meister verschiedener Jiu-Jitsu Schulen in Tokio, entwickelte Ende des 19. Jahrhunderts ein eigenes Nahkampfsystem, das auf den Jiu-Jitsu-Techniken basierte. Deshalb wurde Judo anfänglich auch Kano Jiu Jitsu genannt. Eine andere anfängliche Bezeichnung Kodokan Judo bezog sich auf die von Kano 1882 neugegründete, eigene Schule, den Kodokan in Tokio. Wie viele fernöstlichen Selbstverteidigungsarten verfolgt auch Judo nicht nur den heute dominierenden sportlichen, sondern einen ganzheitlichen Ansatz. Es soll also nicht nur der Körper, sondern auch der Geist gestärkt werden.3

 

1)

"Judo", in: Wikipedia, Stand: 02.04.2016 (Abgerufen: 10.04.2016).

2)

Kano ist der Familienname. Die Schreibweise Kano Jigoro entspricht der japanischen. Hier wird, wie etwa auch im Ungarischen, zuerst der Familien- und dann der Individualname genannt.

3)

Kano in einem Aufsatz des Kodokan-Magazin 1915: „Jūdō ist der Weg, seine geistigen und körperlichen Kräfte am effektivsten zu nutzen.“ (zitiert nach: „Kanō Jigorō“, in: Wikipedia, Stand: 02.04.2016, Abgerufen: 12.04.2016. Siehe auch die 10 Judowerte (DJB).


Deuschland1

Wesentlich für die rasche Verbreitung des Judo in Japan war der sportliche Erfolg. 1886 hatten sich Schüler des Kodokan in einem Wettkampf gegen eine etablierte Jiu-Jitsu-Schule durchsetzen können. Judo wurde dann bald von der japanischen Polizei und der Armee übernommen. Der Weg in Richtung Westen wurde vor allem möglich, weil sich Japan seit 1868 durch die sogenannte Meiji-Restauration in einem tiefgreifenden, gesamtgesellschaftlichen Umbruch befand, der auch zu einer Öffnung des zuvor abgeschotteten Landes führte. Den Weg nach Europa fand Judo u.a. auch über Deutschland. Die Judo-Vorführungen anlässlich eines Besuches japanischer Kriegsschiffe 1906 in Kiel führten dazu, dass Judo in das Ausbildungsprogramm der deutschen Marine aufgenommen wurde. Nach dem Ersten Weltkrieg fanden 1926 in Köln die ersten Deutschen Meisterschaften statt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden dann 1952 und 1953 mit der Gründung des Deutschen Dan-Kollegiums (DDK) und des Deutschen Judobundes (DJB) der auch heute noch bestehende, institutionelle Rahmen für den Judosport in Deutschland geschaffen.

 

1)

"Judo", in: Wikipedia, Stand: 02.04.2016 (Abgerufen: 10.04.2016).


Wettkampfsport1

Deutsche Meisterschaften

  • Männer: erstmalig 1926 (Köln), jährlich erst seit 1951

  • Frauen: seit 1970 (Rüsselsheim)

Europameisterschaften

  • Männer: erstmalig 1934 (Dresden), jährlich erst seit 1951

  • Frauen: seit 1975 (München)

Weltmeisterschaften

  • Männer: seit 1956

  • Frauen: seit 1980

  • bis 2009 im Zweijahres-Rhythmus, seit 2013 jährlich

Olympia

  • Männer: 1964 (Tokio) erstmalig, seit 1972 (München) beständig, seit 1988 (Seoul) Paralympics

  • Frauen: 1988 Demonstrationswettbewerb, seit 1992 (Barcelona) beständig, seit 2004 (Athen) Paralympics

 

1)

"Judo", in: Wikipedia, Stand: 02.04.2016 (Abgerufen: 10.04.2016).